Die Katastrophe fest im Griff
– „Schiffskollision in der Eckernförder Bucht. Ein Ölteppich mit 55 000 Litern Schiffsöl droht durch die südöstlichen Winde in den Eckernförder Hafen getrieben zu werden.“ Als mehr als 140 Feuerwehrleute und Helfer des Technischen Hilfswerks mit ihren Fahrzeugen in den Hafenbereich fuhren, waren Zuschauer wie Beteiligte froh, dass es sich bei diesem Szenario nur um eine Ölwehrübung handelte – nicht um einen echten Einsatz. Doch wie schnell zwei Schiffe bei schlechter Sicht miteinander kollidieren können und ein Ölteppich die Umwelt bedrohen kann, führte Heinrich Kaule vom Staatlichen Umweltamt in Kiel vor Augen. „Dann müssen die verschiedenen Ölwehren der Feuerwehren und des Technischen Hilfswerks aufeinander abgestimmt sein und effektiv arbeiten“, sagte er.
Da nur „Übung den Meister“ mache, führt Kaule mit seinem Team jährlich mehrere Übungen durch, um das Ausbringen von Ölsperren, das Leckabdichten mit dem Einsatz von Feuerwehrtauchern sowie das Slippen von Ölwehrbooten und den Einsatz eines Ölbekämpfungsschiffes zu üben. „Wichtig ist bei diesem Szenario, dass der Schaden so gering wie möglich gehalten wird und schnell Maßnahmen ergriffen werden, um eine Ausbreitung des Öls zu verhindern“, sagte Kaule. So rückten die Kameraden der Feuerwehren Eckernförde und Rendsburg an, um Ölsperren im Hafenbereich auszulegen. Zeitgleich näherte sich das Boot der Rendsburger Wehr dem Havaristen und legte eine Sperre um das verunfallte Schiff herum.
Nach nicht einmal einer Dreiviertelstunde waren alle nötigen Sperren ausgelegt. „Das war eine gute Zeit“, erklärte Kaule. „Bis jetzt musste alles schnell gehen. Die nächsten Schritte können jetzt mit Ruhe und Besonnenheit eingeleitet werden.“ Damit meinte er vor allem die Ölbekämpfung. „Öl, das an den Strand geschwemmt wurde und den Sand verunreinigt hat, muss mit der Schaufel aufgenommen werden“, stöhnte Jörg Rehberg, als er Sand in einen speziellen Behälter schaufelte. Wesentlich besser ging es ihm, als er kurz zuvor mit einem kettenbetriebenen Amphibienfahrzeug durch Sand und Wasser fuhr. „Der kann in flachem Wasser sogar schwimmen“, erklärte der THW-Helfer. „Der Hägglund wurde ursprünglich für das Militär gebaut und wird von einem Landungsboot in Strandnähe ausgesetzt.“ Das Spezialfahrzeug hilft den Einsatzkräften, den verdreckten Sand vom Strand abzutransportieren.
Nicht ganz so spektakulär bereiteten sich Benjamin Rochendorf und Eric-Benjamin Ludwig von der Rendsburger THW-Gruppe auf ihren Einsatz vor. Sie bauten den so genannten „Ölmop“ auf. „Das ist ein Mopmatikwringer, der ähnlich wie ein Mop das verschmutze Wasser aufnimmt und in einem Behälter ausgewrungen wird.“
Um größere Mengen Öl aufzunehmen, wurde das Ölbekämpfungsschiff einer Spezialfirma außerhalb des Hafens in der Nähe des Havaristen eingesetzt.
Nach rund vier Stunden war die Übung beendet. Die Einsatzkräfte zogen positive Bilanz. „Spannend ist, wie die Kommunikation zwischen den einzelnen Einheiten und der Einsatzleitung funktioniert. Das hat aber prima geklappt“, sagte Kaule.
Patrick Luckenbach



