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Letzte Bearbeitung
30.01.2011
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Unser erster Einsatz am 18.09.1999.
Hier der Bericht unseres Sachgebietsleiters 3 :
Feuertaufe
Im samstäglichen Morgengrauen des 18. September rückt die FüKom Flensburg zu
ihrer ersten Übung gemeinsam mit anderen Einheiten des Technischen Hilfswerks,
der Freiwilligen Feuerwehren und unter den Argusaugen der Einsatzleitung des
Staatlichen Umweltamtes Kiel aus. Das Ziel der 7 Mann ist Heidkate, ein kleiner
Ort hinter Kiel-Laboe. Geübt werden soll das Zusammenspiel zwischen Land- und
See-Einheiten zur Bekämpfung von Schweröl, eine der ersten Übungen nach dem
Pallas-Unglück vor Amrum im letzten Jahr.
Schwere See für die Gruppe, und eine hochspezialisierte Arbeit im THW findet
damit einen ersten fordernden Höhepunkt. Nachdem mit der Neustrukturierung der
Zivilen Verteidigung sowohl Fernmeldezüge als auch Fermeldezentralen de facto
aufgelöst sind, galt es nicht nur die Helfer bei der Stange zu halten, sondern
auch die neue Chance zu ergreifen. Ergebnis ist die Fachgruppe Führung und
Kommunikation, kurz FüKom, die im Geschäftsführerbereich Schleswig zukünftig die
Führungsaufgaben übernimmt, wenn mehrere Einheiten des THW oder unterschiedliche
Hilfsorganisationen zusammengeführt sind, jedoch nur schwer unter einen Hut
gebracht werden können. Im Laufe dieser Entwicklung mußte das THW Flensburg
einen Fernmeldezug mit 25 Helfern und die Fernmeldezentrale des
Hauptverwaltungsbeamten, also des Oberbürgermeisters, mit 19 Helfern auflösen.
Was blieb, war die neue Fachgruppe, der man jedoch ihre Geheimnisse und
Einsatzmöglichkeiten erst nach und nach entlocken muß. Zu Bemerken ist noch das
von den „alten Fernmeldern“ in der neuen Gruppe keiner mehr vorhanden ist .
Früher galt es die Informationen weiterzugeben, die man von der staatlichen
Führung auf kommunaler Ebene erhalten hat; heute müssen die Weisungen selbst
erarbeitet werden. Damals war man losgelöst von der Wahl der Einsatzmittel in
der Hand des Staates, nun ergreifen wir die Initiative. Einst haben wir vom THW
die Zivile Verteidigung unterstützt, zukünftig tragen wir selbst die
Verantwortung für Wohl und Wehe einer zukunftsorientierten Katastrophenvorsorge
und einer effektiven Katastrophenabwehr. Und der Weg dorthin war für die FüKom
aus Flensburg eher steinig ,als eine leicht abschüssige Betonpiste, auf der man
schnell durchs Ziel gleitet.
Aber all die Anstrengungen sind nach dem ersten Einsatz vergessen. Die Mühe
eines Jahres hat sich gelohnt, der Erfolg von mehreren Monaten Arbeit vor allem
am Gerät und der Ausstattung ist Dank genug. Der Mot-Marsch von Flensburg nach
Kiel ist also die letzte Hürde, die zwar mit Anspannung, aber in froher
Erwartung vor der Gruppe liegt.
Das Übungsszenario :
Ein Frachter hat in den frühen Morgenstunden schweres Heizöl über den
Entlüftungsstutzen außenbords gepumpt. Ein großer Ölteppich treibt bei
nordwestlichem Wind Bft 3 bis 4 auf die Küste von Probstei-Kolberger Heide zu.
Man nimmt an, daß die Aufklärung des Umweltschadens mit der Öl-Do eine
Ausdehnung von 2 Hektar ergab und entschließt sich zur strandnahen Bekämpfung.
Unter der Leitung des Staatlichen Umweltamtes Kiel werden die Freiwilligen
Feuerwehren Hohwacht-Lippe, Wendtorf und Heikendorf, die Ortsverbände Kiel und
Eutin des THW sowie die Firma Stallzus, unterstützt von Schlepper Robbe und
Landungsboot Stint, eingesetzt. Der FüKom Flensburg fällt die Aufgabe zu, die
Fernmeldeverbindungen zu betreiben. Dazu wurden die „Ölwehreigenen 2 m
Beriebsfunkgeräte“ genutzt .
Ziel des Maßnahmen ist es, das Öl im strandnahen Bereich aufzufangen, um weitere
Ausbreitung zu verhindern, dann zu konzentrieren, um die Aufnahme in einen Ölmop
zum Auskimmen zu ermöglichen und vor allem der Schutz des Badestrandes. Dazu
bringen die Feuerwehren zunächst Ölsperren in Strandnähe aus, um das dorthin
gelangte Öl aufzufangen, bevor sie anschließend die 400 Meter lange Balearsperre,
eine seegangstaugliche, schwere Ölsperre an das Landungsboot Stint, das etwa 150
Meter vor dem Strand liegt, mit den Arbeitsbooten übergeben können. Das THW muß
danach die Verbindungsleitung zwischen Skimmer und Saugwagen ausbringen. Da
diese Vorfälle glücklicherweise nicht alltäglich sind, bringt es die Übung mit
sich, daß man gleich noch prüfen wird, bis zu welcher Zähigkeit das Öl in der
Leitung pumpbar bleibt. Wären doch die Folgen nicht absehbar, wenn sich im Laufe
des Einsatzes die Leitungen dichtsetzen. Schließlich muß der gesamte Ablauf mit
den Firmen koordiniert werden, für die schließlich Katastrophenabwehr kein
alltägliches Geschäft ist, nicht zuletzt die Kommunikation zu den Schiffen, die
sonst nur Seefunk kennen.
UTM ***, Samstag 9.00 Uhr: Die Einheiten treffen ein. Wie beim ersten Mal kaum
anders zu erwarten verzögert sich der Übungsbeginn bis Klarheit über
Zuständigkeit und Verantwortung herrscht. Selbst die Sonne kann darüber nicht
lachen. Dennoch hält dann selbst Nieselregen die Feuerwehren nicht davon ab, die
leichten Ölsperren zügig in Ufernähe auszubringen. Der THW-Kran hebt die
Container der Balearsperre auseinander und zwei Hägglunds, strandtaugliche
Kettenfahrzeuge, die an Pistenraupen in den Alpen erinnern, ziehen sie nach und
nach ins Wasser. Natürlich geht ein solcher erster Versuch nicht reibungslos
über die Bühne. Wenn der Wind zu stark wird, merkt man erst, wie stark die
Sperre an den Arbeitsbooten zieht. Dann wären lange Arbeitsleinen wünschenswert.
Und nicht zuletzt provoziert die Praxis die Frage, wie man die beiden Teile der
einen Sperre am besten verbindet. Vor allem aber gilt es auch die Führung im
Auge zu behalten. Nichts schadet dem Einsatz und der Motivation der Helfer mehr
als die unüberlegte Entscheidung oder das schnelle Wort vom Grünen Tisch.
Mancher Funkspruch zwischen den Helfern konnte da für Entkrampfung sorgen, und
jene Meldung über Verpflegung steigert die Stimmung in den Einheiten. Und für
uns in der FüKom ist klar, dies ist unser Beitrag. Verständlich ist aber auch,
daß ein erster Einsatz mehr Mängel aufdeckt, als er Anlaß für überschwengliches
Lob gibt.
Nachher sind alle Klüger. Horrorszenario orakelt die Presse am Montag drauf.
Hochseeschlepper fehlt, Helfer von Land überfordert, so ein niederschmetterndes
Fazit. Flachgehende Arbeitsboote sind zu schwach, sie taugen nicht fürs
Ausbringen langer Leinen auf See, die Ölsperre ist viel zu schwer und der
THW-Kran zu Klein. Vermutlich hätte kaum etwas den heranschwappenden Ölteppich
aufhalten können. Kommunikationsmängel geben den Rest. Im Ernstfall hieße dies:
Strandreinigung mit der Schaufel.
Nicht so schwarz sieht es die FüKom Flensburg. Die Einsatzmöglichkeiten einer so
hochspezialisierten Fachgruppe sind spärlich. Das bringt es mit sich, daß
Einsatzerfahrungen fehlen. Und wenn sie vorhanden sind, dann bedingen die
Einsatzgrundsätze des THW, daß der Fernmeldebetrieb zugunsten der Führung im
Vordergrund steht. Schließlich liegt die Einsatzleitung nur dann in den Händen
der FüKom, wenn der Bedarfsträger, in diesem Fall das Staatliche Umweltamt, über
keine ausreichende Führungsstrukturen verfügt oder dem THW räumlich und fachlich
geschlossene Aufgaben übertragen werden. Dies schränkt die Übungsmöglichkeiten
ein. Und die verwendeten „Ölwehr Funkgeräte“ machten das Leben auch nicht
leichter was bei der Übung bewiesen wurde. Ein als besser geeignet erscheinendes
Fernmeldekonzept wurde aufgrund dieser Erfahrungen , durch die FüKom bereits
erarbeitet , worauf auf bei den Einheiten vorhandenes Gerät zurückgegriffen
werden sollte .
Aber für uns in der FüKom Flensburg wird mit Übung und Bewertung der weitere Weg
klar: Demnächst können wir in einer noch größeren Verantwortung stehen, wenn wir
selbst die gesamte Einsatzleitung übernehmen müssen. Führung und Kommunikation
unter dem gemeinsamen Dach machen die Stärke aus. Schwächen gleicht das THW
selbst aus, Stärken bringt die FüKom zum Tragen. Jeder Einsatz ist neu, aber wir
sind das eingespielte Team. Jeder kennt seinen Platz und steht für seine
Aufgabe. Und so ist diese Übung mehr als nur ein Schritt auf dem Weg zur
Einsatzbereitschaft einer Einheit, die ihren Auftrag nach und nach erleben muß.
Diese Übung ist Meilenstein für die Helfer dieser Fachgruppe: Bestätigung für
die Arbeit der Vergangenheit, Motivation zum Weitermachen, auch wenn es
anstrengend wird, und Ansporn, in Zukunft, die Aufgabe alleine zu übernehmen.
Die Ausbildung geht weiter, die Ausstattung vervollständigt , aber der erste
Schritt ist gemacht. Wir haben sie bestanden – die Feuertaufe.
Aber aus dieser Übung hätte auch der Ernstfall werden können :
Zitat aus den Kieler Nachrichten vom 20.9.99
Gegen 5 Uhr war nämlich im von Gefahrgut – Frachtern immer häufig befahrenen
Fehmarnbelt ein 180 Meter langer Supertanker mit 45 000 Tonnen russischem
Schweröl nach einem Navigationsfehler auf Grund gelaufen. Die dänischen Behörden
waren durch die Havarie der griechischen „Seajoy“ in der Nähe von Gedser sofort
in höchster Alarmbereitschaft . Und als sich die übenden Feuerwehren und das
Technische Hilfswerk am Strand von Heidkate formierten , lag Meilen weiter schon
ein dänischer Hafenschlepper bei dem Havaristen , der den 28 433 BRZ – Tanker
mit einem Tiefgang von 11,50 Meter vielleicht auch nicht von der Untiefe bewegt
hätte . Glück im Unglück : Die „Seajoy“ hat dank Doppelhülle Auslaufschutz . Und
die geringe Tide in der Ostsee half dem Kapitän , den Riesen gegen 14 Uhr mit
einem „Voll – Zurück – Manöver“ allein frei zu bekommen .
von Peter Buchner , Saturnbogen 62 , 24943 Flensburg
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